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Ausstellung dokumentiert zum 50. Jahrestag den Prozess gegen Adolf Eichmann Pdf Button PrintButton EmailButton
Geschrieben von: Giesbert Karnebogen   
Dienstag, den 08. März 2011 um 12:00 Uhr

Berlin (pts/08.03.2011/12:00) - Adolf Eichmann (1906 - 1962) ist der einzige Mensch, der nach einem Todesurteil der israelischen Justiz hingerichtet wurde. Sein Körper wurde verbrannt. Seine Asche im Mittelmeer verstreut.

Damit endete ein weltweit beachteter Prozess, der erstmals den jüdischen Überlebenden des Nazi-Terrors ein Forum gab. Der Zeugen zu Zeitzeugen machte. Und der die Denkweisen eines Menschen offenbarte, der für die Organisation der Vertreibung, Deportation und damit letztendlich auch für die Ermordung von mehreren Millionen Juden verantwortlich war.

Die Ausstellung "Der Prozess. Adolf Eichmann vor Gericht" stellt die Aussagen der Überlebenden und Eichmanns in den Mittelpunkt. Sie lebt vor allem von der Spannung zwischen den Zeugenaussagen (mehr als 100) und der Verteidigungsstrategie des Täters.

Gezeigt wird sie an einem Ort, der bei der Koordinierung des Holocaust eine zentrale Rolle spielte, das Gelände des ehemaligen Reichssicherheitshauptamtes der Gestapo-Zentrale in der heutigen Niederkirchnerstraße in Berlin Mitte. Nicht Eichmanns Dienstsitz (der lag in der Berliner Kurfürstenstraße), aber Amtssitz seiner Vorgesetzten. Heute Adresse des Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors" (http://www.topographie.de), das jährlich 500.000 Besucher anzieht und damit zu den meist besuchten Erinnerungsorten in Berlin zählt.

Das Konzept für die Ausstellung wurde von den Stiftungen "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" und "Topographie des Terrors" erarbeitet, in Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Sie wird vom 24.-26.5. durch eine internationale Konferenz ergänzt, welche die Nazi-Verbrechen aus internationaler Sicht beleuchtet. Die Konferenz wird in Zusammenarbeit mit dem United States Holocaust Memorial Museum (Washington) durchgeführt.

Kuratoren der Eichmann-Ausstellung sind Dr. Ulrich Baumann von der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" und Lisa Hauff von der Stiftung "Topographie des Terrors". Die Ausstellungsfläche beträgt 220 Quadratmeter. Sie beginnt mit der Biographie des in Solingen gebürtigen Obersturmbannführers (Oberstleutnant). Seinen Lebensdaten gegenübergestellt werden großformatige Bilder von zerstörten jüdischen Gemeinden, ebenso Großfotos vom Publikum in Jerusalem, das bei den Prozesstagen zugelassen war.

Vom Prozess existieren heute noch mehr als 300 Stunden Videomaterial. Da dieses Material damals noch sehr teuer war, wurden Aufzeichnungen jedoch teilweise auch überspielt. Der Prozess ist damit nicht mehr in Gänze auf Video zugänglich. Die redaktionelle Auswahl der damals in 38 Ländern ausgestrahlten Szenen erfolgte durch eine einzige Firma: durch die US-Filmfirma Capital Cities Broadcasting Corporation. Die Kuratorin Lisa Hauff hat das Material in Washington gesichtet. Die Berliner Ausstellung macht die Schlüssel-Szenen des Prozesses erstmals in einer Ausstellung in Europa der Öffentlichkeit zugänglich.

Vier Medien-Stationen beleuchten multimedial die Zeugen-Aussagen. Vier weitere die Verteidigungsstrategie Eichmanns.

Ausführlicher dokumentiert werden auch die Gespräche Eichmanns, die er ab 1957 mit dem niederländischen Nationalsozialisten Wilhelm Sassen in Argentinien führte. Die Gegenüberstellung dieser Sassen-Gespräche mit Eichmanns Aussagen vor Gericht demonstrieren nachdrücklich die unfassbare Gedankenwelt dieses "größten Verbrechers seiner Zeit" (Hannah Arendt), den die jüdische Politologin gleichzeitig aber auch als "Hanswurst" bezeichnete und mit dem Begriff von der "Banalität des Bösen" weltweit insbesondere unter den Juden massiven Widerspruch auslöste.

"Eichmann wollte sich im Prozess zunächst als Freund und Retter der Juden darstellen", so Kurator Dr. Baumann. "Eichmann behauptete, er sei bis zur Wannsee-Konferenz am 20.1.1942, auf der die "Endlösung der Judenfrage" koordiniert wurde und bei der er Protokollführer war, ein 'Idealist' gewesen, danach ein 'Pessimist '. Der Angeklagte stellte sich selbst als Opfer dar und behauptete, seine Funktion als "Spediteur des Todes" (so Generalstaatsanwalt Hausner) sei ihm vom Schicksal gegeben worden. Er sei lediglich bloßer Befehlsempfänger gewesen und hätte Verbrechern dienen müssen.

Nie hätte er, so Eichmann, nein sagen können. Andererseits verneinte er die polemische Frage des Staatsanwaltes, ob er denn dann ein "Trottel" gewesen sei. Er sei zwar ein "kleines Rädchen" gewesen, aber kein "Weichmann". Mit zunehmender Prozessdauer verstrickte er sich immer mehr in seine ohnehin widersprüchlichen Aussagen und führte seine Verteidigungsstrategie damit ad absurdum."

Zwei Aussagen Eichmanns belegen eindrucksvoll diese Widersprüchlichkeit. Die erste ist dem Gespräch mit Sassen aus dem Jahre 1957 entnommen:

"Ich sage Ihnen, Kamerad Sasssen, das kann ich nicht. Das kann ich nicht, weil ich nicht bereit bin, weil sich mir das Innere sträubt etwas zu sagen, wir hätten etwas falsch gemacht. Nein. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, hätten wir von den 10.3 Millionen Juden, die Korherr*, wie wir jetzt wissen, ausgewiesen hat, 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen, gut, wir haben einen Feind vernichtet". (*Anmerkung der Redaktion: Richard Korherr war Leiter der Statistischen Abteilung im SS-Hauptamt und damit Namensgeber des "Korherr-Berichts" mit den statistischen Angaben über die "Endlösung der Judenfrage").

Nur vier Jahre später äußert sich Eichmann in der 88. Sitzung des Jerusalemer Gerichts am 7. Juli 1961 folgendermaßen: "Ich bedauere und verurteile die von der damaligen deutschen Staatsführung angeordnete Vernichtungstätigkeit gegen die Juden. Ich selbst aber vermochte auch nicht über meinen Schatten zu springen - ich war lediglich ein Werkzeug in der Hand stärkerer Mächte und stärkerer Kräfte und eines unerfindlichen Schicksals."

Etwas mehr als ein Jahr früher, beginnend am 29. Mai 1960, saß eben dieser Eichmann Avner Less gegenüber, einem Hauptmann der israelischen Polizei.

Der Vater von Less, ein Berliner Fabrikant und Träger des Eisernen Kreuzes aus dem Ersten Weltkrieg, war im Januar 1943 in den Gaskammern von Auschwitz ermordet worden. Less hatte vom Generalstaatsanwalt des Staates Israel den Auftrag erhalten, Eichmann zu verhören und damit den Strafprozess vorzubereiten. Seine mehr als 100 Stunden langen Aufzeichnungen gingen als "Die Eichmann-Protokolle" in die Geschichte ein. Darin konfrontierte er Eichmann etwa zur Mitte des Verhöres auch mit folgender Frage:

Less: "Sehen Sie in der Frage des Seins oder Nichtseins des deutschen Volkes die Lösung darin, dass das ganze jüdische Volk, die ganzen Juden Europas vernichtet werden müssen?"

Antwort Eichmann: "Herr Hauptmann, wenn man mir um jene Zeit gesagt hätte "Dein Vater ist ein Verräter", also mein eigener Vater ist ein Verräter und ich hätte ihn zu töten, hätt? ich das auch getan. Ich habe damals stur meinen Befehlen gefolgt und stur den Befehlen Gehorsam geleistet und darin habe ich meine - wie soll ich mal sagen? - meine Erfüllung gefunden. Egal, was man mir für einen Auftrag gegeben hätte, Herr Hauptmann".

"Vor der Begegnung mit Eichmann hatte Less ein Monster erwartet; er war geradezu enttäuscht, dass ihm ein Mensch wie jeder andere gegenübersaß.
An dem millionenfachen Mörder war tatsächlich keine Mordlust ausfindig zu machen", skizziert der Autor Jochen von Lang, Herausgeber der Tonbandaufzeichnungen (Siedler Verlag/Ullstein), in seinem Vorwort die Eindrücke des israelischen Hauptmanns.

Die Berliner Ausstellung wird die Diskussionen über die Person Eichmann sicherlich neu entfachen - in diesem Fall aber insbesondere auch auf der Grundlage des unsäglichen Leids, das dieser Mann Millionen von Menschen zugefügt hat. Dieses Leid hat mit dem Prozess ein weiteres, unauslöschbares Gesicht erhalten. Und an dem können durch die Ausstellung die Aussagen Eichmanns gemessen werden.

"Der Prozess. Adolf Eichmann vor Gericht".
Ausstellung im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors.
Eröffnungs-Veranstaltung: 5 April 2011, 18 Uhr
Öffnungszeiten für Besucher:
6. April 2011 bis 18. September 2011, täglich 10 bis 20 Uhr.
Die Ausstellung ist zweisprachig (deutsch/englisch).
Führungen: Tel. 030-254509-70; Fax: 030-254509-77; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Pressekontakt:
Stiftung Topographie des Terrors
Herr Kay-Uwe von Damaros
Tel.: 030-25450935
email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Am Informationstresen ist ein deutsch-englischer Katalog zur Ausstellung zum Preis von 15.00,-Eur erhältlich.

(Ende)

Aussender: PANAMEDIA Communications GmbH
Ansprechpartner: Giesbert Karnebogen
Tel.: 0611-26 777 10
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

[ Quelle: http://pressetext.com/news/110308015/ ]
[ Fotos: http://pressetext.com/show_attach.mc?pte=110308015 ]

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 08. März 2011 um 12:00 Uhr
 

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