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RCM hält flexible Wechselkurse für wichtig für das ökonomische Gleichgewicht Pdf Button PrintButton EmailButton
Geschrieben von: Heinrich Durstewitz   
Dienstag, den 27. April 2010 um 14:25 Uhr

Frankfurt am Main (pts/27.04.2010/14:25) - Der Schritt der griechischen Regierung, am vergangenen Freitag notwendige Hilfsmassnahmen zu beantragen, kam für die Experten von RCM nicht überraschend. "Man ist in Europa zu lange davon ausgegangen, dass das Hilfspaket der EU und des IWF nur theoretischer Natur sein würde.", meint Andreas Utermann, CIO von RCM, einer Tochtergesellschaft von Allianz Global Investors. Das Risiko eines Dominoeffektes bewertet er jedoch als gering: "In Portugal und Spanien haben wir eine andere Situation, da der Schuldensockel niedriger ist und die Erfüllung der Maastrichtkriterien beim Euro-Beitritt nicht in Frage stehen." Dennoch sei nicht auszuschließen, dass bei einer schwächeren Konjunkturentwicklung oder geringem Erfolg der griechischen Sparprogramme auch die Bonität dieser Länder leiden wird.

Zu den Konsequenzen für den Euro als wichtige Währung im internationalen Geldsystem ergänzt Wilhelm Schorn, CIO für Währungen bei RCM: "Die Glaubwürdigkeit hat sicherlich gelitten. Das dürfte auch noch so lange der Fall sein, bis es neue rechtliche Regelungen in Euroland gibt. Die Aufgabe von fiskalischer Autonomie zugunsten einer klar definierten Solidarität oder eine einheitlich Fiskalpolitik dürfte damit unvermeidlich sein. Auch wenn noch ein langer Weg vor uns liegt."

Die Bedeutung von Währungen im globalen Kontext
Als Folge der Globalisierung und einer langen Periode niedriger Zinsen erwartet Utermann eine Wachstumsverschiebung von den Industrieländern zu den Schwellenländern. Für die Auflösungen der globalen Ungleichgewichte aus massiven Staatsschulden der westlichen Nationen einerseits und steigenden Sparquoten in anderen Teilen der Welt werden Währungen nach Ansicht der Experten von RCM langfristig eine wichtige Rolle spielen.

Gemeinsam zeigen Utermann und Schorn das grundsätzliche Spannungsfeld politischer und ökonomischer Umbrüche auf, in dem sich Dollar, chinesischer Renminbi und Euro aktuell bewegen.

Freie Wechselkurse sind Stellschrauben zum ökonomischen Gleichgewicht
Das globale Handelsszenario wurde von außerordentlich hohen Leistungsbilanzüberschüssen in China bestimmt, denen außerordentlich hohe Leistungsbilanzdefizite der USA gegenüber standen. Chinas immense US-Dollarbestände dienten den USA als Kreditbasis, um asiatische Waren importieren zu können, was die Schieflage weiter verstärkt.

"Eine Währungsaufwertung des Renminbi könnte zu einer Drosselung der Wettbewerbsfähigkeit Chinas führen und damit einen sukzessiven Abbau des Ungleichgewichts initiieren. Stattdessen wird die Situation mit dem starren Wechselkurs der chinesischen Währung zementiert", erläutert Utermann.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie flexible Wechselkurse als wichtige Stellschrauben zwischen Volkswirtschaften mit unterschiedlichem Wachstum und unterschiedlichen Produktivitätsniveaus funktionieren.

Ausgleich von Leistungsbilanzdefiziten und -überschüssen notwendig
Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem globalen Gleichgewicht sind nach Ansicht Utermanns Modifizierungen im internationalen Währungssystem. Das übe derzeit einen stärkeren Ausgleichsdruck auf defizitäre Länder aus, die Zahlungsbilanzen zu bereinigen, als auf Überschuss-Länder. Utermann ist jedoch der Meinung: "Leistungsbilanzdefizite sind ebenso wenig grundsätzlich negativ wie Leistungsbilanzüberschüsse grundsätzlich positiv sind." Aus diesem Grund erachte er den Vorschlag von John Maynard Keynes heute als umso interessanter, die Devisenreserven der IWF-Mitgliedsländer in Sonderziehungsrechen (SZR) zu sammeln, und sowohl Defizit- als auch Überschussländer mit Strafzinsen zu belegen. "Auf diese Weise gäbe es einerseits Anreize, Überschüsse zu reduzieren, und gleichzeitig eine einfachere Finanzierungsmöglichkeit, Leistungsbilanzdefizite auszugleichen."

'Griechenland-Tragödie' zeigt Konstruktionsschwächen des Euro auf
Auch im Euro-Raum werden nach der Finanzkrise größere Divergenzen zwischen den einzelnen Länder deutlich. Spätestens seit der Griechenlandkrise offenbart sich auch hier die fehlende Stellschraube, freie Wechselkurse, um ökonomische Ungleichgewichte auszubalancieren. Eine wesentliche Ursache für die dramatischen Entwicklungen leitet Wilhelm Schorn jedoch aus der schwachen Finanzsituation Griechenlands bereits zum Zeitpunkt des EU-Beitritts 2001 ab.

Obwohl er das Scheitern des Euro nicht zuletzt aufgrund hoher Opportunitätskosten für unwahrscheinlich hält, stimmen Schorn grundsätzliche Konstruktionsfehler skeptisch: "Die 'Griechenlandtragödie' hat strukturelle Defizite im Lissabon- und Maastrichtvertrag offen gelegt. Verschuldungsgrenzen und Preisniveaulimits reichen nicht, eine gemeinsame Währung abzusichern." Solange es keine vertraglich verankerten Sanktionsmechanismen für hochverschuldete Mitgliedsländer gebe, sei die politische Durchsetzbarkeit notwendiger Sparmassnahmen in Südeuropa nur schwer einschätzbar und damit eine potenzielle Bedrohung.

Die ungewisse Zukunft des US-Dollars im Weltwährungssystem
Eine der wichtigsten Fragen, nämlich die der zukünftigen Rolle des US-Dollars im globalen Währungssystem, steht momentan im Schatten der aktuellen Ereignisse in Europa. Dennoch weist Schorn darauf hin, dass die Frage dadurch keineswegs an Bedeutung verloren hat.

Bereits im vergangenen Jahr kamen Zweifel bei reservewährungsreichen Schwellenländern auf, den Dollar als Leitwährung auch zukünftig uneingeschränkt zu akzeptieren. Die Diskussion spiegelt die Sorgen um den Wert der hohen US-Dollar-Bestände wider, die einerseits auf dem Währungsrisiko und anderseits auf langfristigen Inflationsgefahren basieren.

Valide politische und wirtschaftliche Argumente stützen die Diskussion um den Dollar als internationale Währungsreserve, da die USA als ausgebendes Land über die geeignete Geldmenge sowohl inländischen Interessen gerecht werden und gleichzeitig den globalen Bedarf an Reservewährung decken muss. Aus diesem sogenannten "Triffin"-Dilemma ergeben sich jedoch auch wesentlich makroökonomische Vorteile wie beispielsweise die Möglichkeit, im Ausland günstige Kredite in eigener Währung aufzunehmen.

Bis die globale Vormachtstellung des Greenbacks jedoch tatsächlich zur Disposition steht, müssen laut Schorn einige grundlegende Bedingungen erfüllt sein: "Der chinesisch-russische Vorschlag, den US-Dollar durch Sonderziehungsrechte abzulösen, müsste durch eine Reform des IWF und des Weltwährungssystems flankiert werden. Währungen der BRIC-Länder sollten in die SZR eingebunden werden." Aber dafür seien ebenfalls freie Wechselkurse der BRIC-Währungen erforderlich.

Anlagechancen und -risiken
Langfristig gehen die RCM-Experten von einer Schwäche des US-Dollar aus. Nicht zuletzt, weil Inflationsbekämpfung nur schwach in der Geldpolitik der FED verankert ist. Im Verlauf diesen Jahres ist jedoch weiterhin ein Anziehen des Dollar zu erwarten, da die Zinsgefälle gegenüber Euro und Yen steigen sollten.

Langfristig sollten Anleger auch asiatische Währungen beobachten, die im internationalen Währungsgefüge zukünftig eine bedeutendere Rolle spielen werden.

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Im Zusammenhang mit dem Thema Hedgefonds verpflichtet uns der Gesetzgeber, folgenden Hinweis zu veröffentlichen: Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei diesen Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen.

[1] BVI-Gesamtstatistik per 31.12.2009 "Administration gesamt"
[2] Per 31.12.2009

(Ende)

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[ Quelle: http://pressetext.com/news/100427034/ ]

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. April 2010 um 14:25 Uhr
 

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