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Innovation und Zertifizierung - Wege aus der Krise des Gesundheitswesens Pdf Button PrintButton EmailButton
Geschrieben von: Frau Karolina Budych   
Donnerstag, den 03. Dezember 2009 um 10:30 Uhr

Berlin (pts/03.12.2009/10:30) - Das deutsche Gesundheitssystem sieht sich mit einer Jahr für Jahr zunehmenden Anzahl an Herausforderungen konfrontiert. Neben der prognostizierten demographischen Entwicklung, die sich durch eine zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung bei einer gleichzeitig rückläufigen Geburtenrate auszeichnet, führt auch der rasante medizinische Fortschritt zu einem kontinuierlich steigenden Anteil älterer Menschen. In einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft stellen chronische und altersassoziierte Krankheiten sowie verlängerte und aufgrund von Multimorbidität komplexere Krankheitsverläufe mit einem hohen Bedarf an Gesundheitsleistungen und intensiven Betreuungskonzepten die Leistungsfähigkeit, aber auch die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems vor immer neue Herausforderungen. Die Notwendigkeit, die Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung vor dem Hintergrund dieser Rahmenbedingungen auch langfristig zu sichern, erfordert zwingend eine schrittweise Anpassung und Weiterentwicklung der gegenwärtig vorhandenen Versorgungsstrukturen.

Vor diesem Hintergrund laden die Konsortialpartner des durch das BMBF und den Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts S.I.T.E. (Schaffung eines Innovationsmilieus für Telemedizin) http://www.site-telemedizin.de am 07.12.2009 in die Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz in Berlin. Im Rahmen einer Pressekonferenz unter dem Oberthema "Ist unser Gesundheitssystem noch zu retten? Innovation und Zertifizierung - Wege aus der Krise" http://www.site-telemed.de/EinladungundProgrammPK.pdf werden Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis über die Chancen und Potenziale berichten, welche dem deutschen Gesundheitswesen durch den zielgerichteten Einsatz von neuartigen Versorgungsansätzen eröffnet werden.

Der Einsatz von neuen Informations- und Kommunikationstechniken wie der elektronischen Gesundheitskarte und insbesondere auch der Telemedizin sind bereits heute ein bedeutsamer Treiber von Effizienz und Qualität im deutschen Gesundheitswesen. Telemedizin hebt die Bedeutung geografischer Entfernungen für Patientenbehandlung und ärztliche Kooperation auf und ermöglicht im Verbund mit mobilen Medizinsystemen (z.B. implantierte Sonden) und automatischen Monitoringsystemen eine Revolution der stationären und ambulanten Betreuung sowie des zugehörigen Qualitätsmanagements.

Bei chronischen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Hypertonie und Diabetes sind die positiven gesundheitsökonomischen Effekte und die volkswirtschaftliche Relevanz aufgrund der skizzierten demographischen Entwicklungen bereits nachgewiesen. Aus diesem Grund stellt die Förderung innovativer und auch international wettbewerbsfähiger Konzepte ein wichtiges Zukunftsfeld im Rahmen der High-Tech Strategie der Bundesregierung dar.

Die Umsetzung von telemedizinischen Konzepten ist aufgrund ihres hohen Innovationsgrades jedoch mit zahlreichen Herausforderungen im Innovationsprozess behaftet. Telemedizinische Innovationsprozesse sind durch erhebliche Innovationsbarrieren gekennzeichnet und bedürfen veränderter Herangehensweisen und Managementprinzipien. Das im Rahmen des Förderschwerpunkts "Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements" geförderte Projekt S.I.T.E. http://www.site-telemed.de/SITEFlyer.pdf widmet sich daher den Möglichkeiten und Verfahren, derartige Innovationsbarrieren zu identifizieren und durch geeignete Lösungsansätze schrittweise zu überwinden.

Im Rahmen von S.I.T.E. sollen unter Einbezug aller in telemedizinische Vorhaben eingebundener Gruppierungen (von den assoziierten wissenschaftlichen Fachbereichen über die Träger der Kranken-/ Rentenversicherung und Anbieter von telemedizinischen Konzepten bis hin zu den betreuenden Ärzten und den teilnehmenden Patienten als Endanwender der Telemedizin) im Sinne eines lernenden Modells die identifizierten Barrieren schrittweise abgebaut und durch die Beseitigung von Marktunsicherheiten und eine zunehmende Professionalisierung aller Beteiligten der Weg für breit angelegte und auch international konkurrenzfähige Telemedizin-Vorhaben geebnet werden.

In den projektbezogen durchgeführten Expertenworkshops konnten konsensuell die folgenden Hauptbarrieren identifiziert werden:

- Uneinigkeit über die Aussagekraft und Evidenz der bisher durchgeführten Telemedizin-Studien im Kontext des deutschen Gesundheitswesens
- Unzureichende Möglichkeit der Vergütung / Abrechnung von Telemedizinleistungen
- Geringe Bereitschaft der Ärzteschaft, Alltags- und Behandlungsprozesse zu ändern
- Defizite bei Standardisierung, Schnittstellenkompatibilität und Datenschutz

Als Ergebnis hieraus wurden die folgenden Maßnahmen von den Vertretern aller an telemedizinischen Konzepten beteiligten Gruppierungen als essentiell für die Überwindung der wichtigsten Barrieren und die Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Telemedizin-Konzepte eingestuft:

1. Verbesserung der Studienlage / Evidenz
2. Kommunikation der in Studien nachgewiesenen Nutzen von Telemedizin gegenüber Kassen, Ärzten, Versicherten, sonstigen Stakeholdern
3. Schaffung eines verlässlichen Vergütungsrahmens
4. Stärkere Patienten-/ Ärzte-Orientierung der telemedizinischen Konzepte
5. Aus-/Weiterbildung im ärztlichen Bereich zur Wissensvermittlung bezüglich der Chancen und des Nutzens von Telemedizin
6. Zertifizierung und Schaffung einer besseren Vergleichbarkeit von Programmen, Datenschutzkonzepten, Einschlusskriterien, Codierung etc.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass sich bei der Entwicklung zukunftsträchtiger medizinischer Versorgungskonzepte wie der Telemedizin die eigentlich gegenläufigen Begrifflichkeiten von "Innovation" und "Zertifizierung" nicht widersprechen, sondern vielmehr ergänzen. Nur durch die Festlegung von weitverbreiteten und anerkannten Standards und Normen können die aktuell noch bestehenden Marktunsicherheiten beseitigt und das erforderliche Maß an Transparenz geschaffen werden, das für vergleichende Evaluation und die damit einhergehende konzeptionelle Evolution erforderlich ist.

Einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg stellt die Bereitschaft von telemedizinischen Anbietern dar, die von ihnen genutzten Prozesse und Verfahren an objektiven Parametern messen zu lassen und die in der Praxis angewendeten qualitativen und datenschutzrechtlichen Vorgaben transparent zu machen. Die Vereinheitlichung und Standardisierung der Telemedizin befindet sich in Deutschland zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch in den Anfängen, doch erste Erfolge lassen hoffen. So hat sich das telemedizinische Service-Zentrum der Vitaphone GmbH als deutschlandweit erstes Zentrum durch das Prüf- und Zertifizierungsinstitut des VDE gemäß DIN EN ISO 9001:2008 und in Einklang mit den "VDE-Anwendungsregeln TeleMonitoring" zertifizieren lassen.

Die Konsortialpartner http://www.site-telemed.de/SITEKonsortium.pdf freuen sich über diesen ersten Erfolg und sind zuversichtlich, dass nun zunehmend auch weitere Anbieter von telemedizinischen Dienstleistungen Bereitschaft zeigen werden, sich bei der Weiterentwicklung einheitlicher und verbindlicher Standards einzubringen. Angesichts der zunehmenden Handlungs- und Reformerfordernisse im deutschen Gesundheitswesen werben die Konsortialpartner des S.I.T.E.-Konsortiums auch in Zukunft darum, dass der Themenkomplex Telemedizin von den beteiligten Parteien zusammen und auf Grundlage gemeinsam erarbeiteter Standards und Normen als ein wichtiger Teil der medizinischen Regelversorgung in Deutschland etabliert wird. Nur wenn es gelingt, die aktuell existierenden Barrieren abzutragen und den konzeptionellen Wildwuchs in der Telemedizin schrittweise durch zielgruppengerechte, praxistaugliche und aufgrund zertifizierter Standards auch untereinander vergleichbare Konzepte zu ersetzen, wird die Telemedizin in Zukunft den erwartbaren Beitrag zur Rettung unseres Gesundheitswesens leisten können.

Kontakt:

Frau Karolina Budych
Leiterin Forschungsvorhaben
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Deutsche Stiftung für chronisch Kranke
Alexanderstraße 26
90762 Fürth

Tel: +49 911 - 740 76-80
Fax: +49 911 - 740 76-86
http://www.stiftung-telemedizin.de (Ende)

Aussender: Deutsche Stiftung für chronisch Kranke
Ansprechpartner: Frau Karolina Budych
Tel.: +49 911 - 740 76-80
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

[ Quelle: http://pressetext.com/news/091203011/ ]
[ Fotos: http://pressetext.com/show_attach.mc?pte=091203011 ]

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 03. Dezember 2009 um 10:30 Uhr
 

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